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30.5.2020 : 1:14 : +0200

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Ältere Menschen im Umgang mit Alltagstechnik: Kann Bildung erwartbare Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne leichte kognitive Beeinträchtigung ausgleichen?

17. Jahrgang 2020, Heft 1, Anwendungsbezogene empirische Arbeiten

Laura Schmidt & Hans-Werner Wahl:

Ältere Menschen im Umgang mit Alltagstechnik: Kann Bildung erwartbare Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne leichte kognitive Beeinträchtigung ausgleichen?(Abstract)

Der kompetente und zielgerichtete Umgang mit Alltagstechnik ist von wachsender Bedeutung für Lebensqualität, Autonomie, Wohlbefinden, Sicherheit und Teilhabe im höheren Alter. Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) haben ein höheres Risiko, ihre Unabhängigkeit zu verlieren, werden jedoch selten in Studien zur Technikperformanz eingeschlossen. In dieser Arbeit betrachten wir die Rolle des Bildungsniveaus für die Handhabung von Alltagstechnik bei Menschen mit und ohne MCI (Gesamtes N = 80, MW = 73 Jahre). Die kognitiv unbeeinträchtigten Personen (N = 41) und die Personen mit MCI-Diagnose (N = 39) waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildung vergleichbar. Die Technikperformanz wurde anhand dreier Geräte (Blutdruckmessgerät, Mobiltelefon und E-Book-Reader) untersucht und durch Videoaufzeichnungen objektiviert. Etablierte kognitive Testbatterien und Skalen zu sozial-kognitiven Variablen (z.B. Selbstwirksamkeit) wurden eingesetzt. Wie erwartet schnitten Probanden mit MCI mit Blick auf die Technikperformanz (Effizienz und Fehlerzahl) schlechter ab als kognitiv Gesunde, es zeigte sich jedoch ein Interaktionseffekt mit größeren Differenzen bei komplexeren Aufgaben. Innerhalb der MCI-Gruppe konnte ein größerer Varianzanteil durch das Bildungsniveau und dessen Interaktion mit kognitiven Faktoren erklärt werden. Die Ergebnisse legen nahe, dass beim Vorliegen einer kognitiven Beeinträchtigung eine höhere Bildung eine bedeutsame Reservekapazität darstellen kann, die insbesondere bei MCI-Schwierigkeiten in der Techniknutzung abmildert.