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24.11.2017 : 19:29 : +0100

News

29. Symposium "Psychoanalyse und Altern"
Universität Kassel, 1. und 2.12.2017
Thema: Flucht und Vertreibung reloaded: Wiederkehr des Verdrängten nach über 70 Jahren!?

Über die Geschehnisse und Folgen des Zweiten Weltkriegs gibt es mittlerweile zahlreiche Veröffentlichungen und Reportagen. Manche Zeitgenossen sind der Auffassung, man könne das Thema mittlerweile als erledigt ansehen. In unserer reizüberfluteten Mediengesellschaft werden Themen des Zweiten Weltkriegs zu später Stunde fast täglich wiederholt.

Die jüngste Welle von Flüchtlingen hat unsere Gesellschaft aufgerüttelt und sensibilisiert für Menschen in derartigen Notlagen. Aber auch polarisiert, wie es sich im gesamtgesellschaftlichen Diskurs zeigt. Nach anfänglicher Euphorie hat sich die Stimmung im Umgang mit Flüchtlingen in der Öffentlichkeit gewandelt: anfängliche Willkommenskultur ist einer skeptisch nachdenklichen Haltung und mancher Enttäuschung gewichen bis zum offenen Ressentiment.

In der Alltagspraxis der Psychotherapie mit Älteren standen diese Themen immer im Raum, denn die eigene Vergangenheit – Erfahrungen von Flucht, Vertreibung, Verfolgung in frühen Phasen der Lebensgeschichte – zeigte sich auch nach Jahrzehnten keineswegs als erledigt. Neben differenzierten Älteren könnte es allerdings auch in dieser Gruppe Polarisierungstendenzen geben.

Einerseits gibt es viele ältere Menschen, die als Kinder mit den Auswirkungen und Folgen des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkrieges und der Shoah konfrontiert wurden, die sich aktiv in der Flüchtlingshilfe engagieren. Andererseits gibt es nicht wenige, die jegliche Beschäftigung mit diesem Thema ablehnen. Übermäßiges Engagement und krasse Ablehnung hat in den meisten Fällen mit eigener Traumatisierung zu tun. Gerade viele Hochaltrige erleben die Kriegsberichte, die Bilder von Flüchtlingslagern, besonders dann, wenn Kinder betroffen sind, wie eine Retraumatisierung. Bilder von Ruinen in Aleppo rufen entsprechende Erinnerungsbilder von Berlin, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Kassel, Köln und vielen anderen zerstörten Städten wach.

Welche Erfahrungen gibt es mit der öffentlichen, unmittelbaren „Neuauflage“ von Kriegsthemen bei Älteren? Wie reagieren die wenigen älteren Flüchtlinge auf ihre Entwurzelung? Vermischt sich eigene Betroffenheit mit der Angst vor dem Fremden und einer allgemeinen Angst im Alter abhängig und wehrlos zu sein? Gibt es spezielle Verhaltensmuster ehemaliger deutscher Vertriebener auf aktuelle Fluchtereignisse? Wie werden unter diesem Aspekt Hochaltrige mit ihren Ohnmachtserfahrungen und manchmal ohnmächtiger Wut fertig? Wie gehen mittlerweile älter gewordene Kinder der Kriegskinder mit diesem Thema um? Kommen in der Konfrontation mit dem Flüchtlingsthema transgenerationale Traumatisierungen bei den jüngeren Alten zum Vorschein? Welche traumatischen Wurzeln könnte der aktuelle Rechtspopulismus vor allem bei Älteren haben? Haben vor Jahren absolvierte Psychotherapien von Älteren tatsächlich eine Klärung und Entlastung erbracht? Wie und wieweit haben denn direkt Betroffene ihre Flucht-, Vertreibungs- und Verfolgungserfahren verarbeitet, welche Bewältigungsstrategien haben sich gezeigt, bewährt? Und wie können diese Erfahrungen genutzt werden für aktuell Betroffene und zeitgemäße Behandlungsformen?

Nimmt man die Übersetzung des englischen Verbs wörtlich so bedeutet es konkret etwas aufladen bzw. wiederaufladen. Gilt dies gerade auch für ältere Patienten? Kann man alte Traumata, kumulative Traumata, Traumareaktivierung und Aktualtraumata sauber trennen?
Vorschläge zu Vorträgen über 30 Minuten, denen immer eine ebenso lange Diskussion mit dem Plenum folgt, können an die wissenschaftlichen Organisatoren geschickt werden:

Anmeldeschluss für Beiträge ist der 15. April 2017.

Dr. Bertram von der Stein: Opens window for sending emailE-Mail

Dipl.Psych. Doreen Röseler:Opens window for sending email E-Mail