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12.11.2018 : 19:49 : +0100

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Altern und Sterben in der Literatur - die Ödipusdramen des Sophokles

5. Jahrgang 2008, Heft 2, Sterben, Endlichkeit und Tod in der Kultur

Helmut Luft:

Altern und Sterben in der Literatur - die Ödipusdramen des Sophokles (Abstract)

Da Sophokles die Ödipus-Tragödien im Alter von 70 und 90 Jahren geschrieben hat, enthalten sie altersspezifische Themen. Ödipus rex erscheint so auch unter dem Aspekt einer Lebenskrise, die das Altern einleitet. Ödipus war der Revolutionär, der den Generationswechsel forciert hatte. Nach dem Tod seines Vaters wird der Verlust seiner Mutter zum kumulativen Trauma, das ihn in archaischen Hass regredieren lässt. Mit dem Sich-Blind-Machen wehrt er die Einsicht in die unerträgliche Realität ab. In »Ödipus auf Kolonos« wird er als Greis dargestellt, der die Verantwortung für sein Schicksal den Göttern zuweist. Als Abwehr bleibt ihm die grandios-narzisstische Identifikation mit den Göttern und die primärnarzisstische Fantasie der Rückkehr in einen elementar überhöhten Mutterleib. Auf Unterschiede zu dem moderneren Alterstypus des Prospero von Shakespeare wird hingewiesen.