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20.10.2019 : 15:50 : +0200

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Dieses Heft basiert auf Vorträgen, die Ende 2018 in Kassel anlässlich des 30. Symposiums »Psychoanalyse und Alter« zum Thema »50 Jahre danach – Die 68er werden alt« gehalten wurden. Der psychohistorische Rückblick des Symposiums auf die sogenannten 68er und deren zeitlich-historisches Umfeld ließ uns fragen: Was war das eigentlich, dieses 68? Was hat es bedeutet, welche Folgen hat es gehabt? Und vor allem: Hat 68 auch Konsequenzen für das Alter, und zwar sowohl für das Alter als gesellschaftlich beeinflusste Lebensphase als auch für das Alter der Einzelnen? War das Alter bei den 68ern überhaupt einkalkuliert?
   Es gibt noch viele Zeitzeugen unterschiedlichen Alters und politischer Ausrichtung, die für 68 die Deutungshoheit beanspruchen. Deswegen polarisiert 68 bis heute. Es gilt daher, mit kritischen Fragen zu begleiten und erstarrte Narrative infrage zu stellen, insbesondere bei überspitzt negativen Beurteilungen rechtskonservativer Provenienz oder bei einseitiger Verleugnung gewaltsamer Fehlentwicklungen.
   Sich an die Vergangenheit zu erinnern und davon zu erzählen, ist eine wesentliche kognitiv-affektive Tätigkeit im Alter. Ist dies nicht nur nostalgisch motiviert, sondern reflexiv und transmissiv ausgerichtet, hat es eine wichtige identitätsbildende Funktion für Ältere, aber auch für die Gesellschaft und die nachfolgende Generation. Das Symposium wurde eine lebendige Veranstaltung, die Rückschau mit notwendigem kritischen Abstand und vor allem mit einem Blick auf die heutige Zeit verband. Insbesondere der Vortrag von Oskar Negt, einer prominenten Person der damaligen Zeit und einem der herausragenden Intellektuellen der vergangenen Jahrzehnte, war ein bewegender Auftritt. Wir haben deswegen eine Würdigung seines Wirkens durch Hans-Peter Warsitz vorangestellt.
   Die nachfolgenden Beiträge werden nicht alle Fragen beantworten, sie befassen sich jedoch mit einzelnen Aspekten der damaligen Zeit und deren Auswirkungen auf unser Heute. Alle Vortragenden haben die Mühe auf sich genommen, ihre Vorträge in Manuskripte umzuarbeiten, wofür wir ganz herzlich danken. Wir hoffen, die Beiträge werden Ihnen, der Leserschaft, etwas von der Lebendigkeit des Symposiums vermitteln.