Sie sind hier: Archiv > Zeitschriften-Archiv > 2013 > Heft 3
DeutschEnglishFrancais
13.11.2018 : 22:07 : +0100

Archiv

»Heimat« am Obersalzberg

10. Jahrgang 2013, Heft 3, Heimatlosigkeit und Heimat

Peter Giesers und Christoph Tangen Petraitis:

»Heimat« am Obersalzberg - Die Sehnsucht nach Versöhnung mit dem geliebten Täter-Vater am Beispiel der Vater-Sohn-Beziehung von Veit und Thomas Harlan (Abstract)

Gibt es eine »Heimat« im Land der Täter? In Dachau, Buchenwald, Bergen-
Belsen? Im Schatten des Obersalzbergs? Thomas Harlan, der rebellische Sohn
des Jud Süss-Regisseurs Veit Harlan, hat die letzten Jahre seines Lebens in einem
Lungen-Sanatorium mit direktem Sichtkontakt zum Obersalzberg verbracht:
»Hitler hätte mich sehen können«. In seinen Werken hat er sich bis zu seinem
Tod mit dem Schicksal beschäftigt, Sohn eines Vaters zu sein, der mit seinen
Filmen Judenverfolgung und Massenmord unterstützt hatte, ohne sich später
jemals zu seiner Schuld zu bekennen. Im Gegenteil: Veit Harlan, Lieblingsregisseur
von Göbbels, hatte Zeit seines Lebens eine Mitschuld geleugnet wie
die meisten Täter und Mitläufer in Deutschland. Thomas Harlan hat seinen
Vater einerseits »ungeheuer geliebt«, aber auch zutiefst verachtet und mit Leidenschaft
bekämpft. Sein Ringen mit dem Vater steht im Mittelpunkt unserer
Untersuchung über die Sehnsucht der Kriegskinder nach Wiedergewinnung
von Heimat über die »Versöhnung« mit ihren Täter-Vätern.