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9.8.2020 : 22:41 : +0200

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Nicht-demenzielle organische Persönlichkeitsveränderungen (»hirnorganische Wesensänderungen«) im Alter

8. Jahrgang 2011, Heft 3, Übersicht

Dirk K. Wolter:

Nicht-demenzielle organische Persönlichkeitsveränderungen (»hirnorganische Wesensänderungen«) im Alter (Abstract)

Zweifellos können Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns nicht nur zu Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit, sondern auch zu Veränderungen von Affektivität, Empathie und anderen Facetten der Persönlichkeit führen. Besonders sensible Hirnregionen sind das Frontalhirn und der vordere Temporalpol. Je akuter eine Hirnschädigung eintritt und je umschriebener sie ist, umso klarer sind die Zusammenhänge zwischen Gehirnschädigung und Persönlichkeitsveränderung. Bei chronisch-progredienten Erkrankungen sind die Zusammenhänge meist weniger eindeutig, da Erleben, Verhalten und Wesensart des chronisch Kranken auch von dessen prämorbider Persönlichkeit sowie von der Krankheitsverarbeitung, die sich in strukturellen Hirnveränderungen niederschlagen kann (Neuroplastizität), beeinflusst werden. Die Diagnose einer hirnorganischen Wesensänderung ist eine schwierige klinische Diagnose, für die Fremdanamnese und Längsschnittperspektive unerlässlich sind. Sie wird leichter fallen, wenn nicht nur Persönlichkeitsveränderungen sondern auch kognitive Beeinträchtigungen feststellbar sind. Ungeklärt sind nach wie vor die Probleme der Spezifität und Zwangsläufigkeit sowie die Frage, ob der Ort oder die Art der Hirnschädigung bedeutsamer ist.