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20.5.2018 : 23:46 : +0200

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Internalisierte Homophobie und Depression

2. Jahrgang 2005, Heft 3, Praxisbezogene Falldarstellungen

Elisabeth Imhorst:

Internalisierte Homophobie und Depression - Überlegungen zur psychoanalytischen Behandlung eines 68-jährigen Mannes (Abstract)

Es wird die psychoanalytische Behandlung eines zu Beginn 68 Jahre alten Mannes beschrieben. Während der Patient seine Homosexualität explizit mitteilte, konnte die Analytikerin das Ausmaß des Selbsthasses gegen sich als »Perversen« erst verstehen, als sie ihre eigene unbewusste Identifizierung mit klassisch psychoanalytischen Konzepten über die Heilbarkeit der Homosexualität bemerkte und als konkordante Gegenübertragung erkannte. Das führte zu einer anderen Konzeptualisierung der Behandlung. Die internalisierte homophobie wird als Über-Ich-Problem verstanden, dem der Patient jahrzehntelang durch seine heterosexuelle Normalbiographie (Heirat, Kinder und Karriere) ausweichen konnte. Mit ihr hatte er seine Selbstachtung sichern und zugleich heimlich an seiner Homosexualität festhalten können. Nach seiner Pensionierung, die für ihn unbewusst den Verlust der letzten Quelle von Selbstachtung bedeutete, und nach einer enttäuschenden ersten homosexuellen Liebesbeziehung hatte er eine chronische Depression entwickelt.