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30.10.2020 : 2:27 : +0100

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Dialog zwischen Jung und Alt bei den Mosuo in Yunnan, Südchina

17. Jahrgang 2020, Heft 3,Ethnologische Perspektive

Maya Nadig:

Dialog zwischen Jung und Alt bei den Mosuo in Yunnan, Südchina(Abstract)

Aus einer ethnopsychoanalytischen Perspektive wird die Rolle der Alten in der matrilinearen Mosuogesellschaft in Südchina betrachtet. Sie ist davon beeinflusst, dass die Mosuo in der Regel nicht heiraten, sondern Besuchsbeziehungen pflegen, während jeder in seinem mütterlichen Großhaushalt mit den eigenen Blutsverwandten zusammenlebt. Babys gehören zum mütterlichen Haushalt, werden jedoch früh aus der innigen Verbundenheit mit der Mutter herausgelöst und von allen Familienmitgliedern versorgt. So entsteht eine starke Bindung an alle Familienmitglieder und eine Gruppenrepräsentanz. Zahlreiche soziale, ökonomische, ideologische und historische Gegebenheiten begründen den respektvollen Umgang mit den Alten. Die Sozialorganisation dieser Kultur wird unterstützt von Mythen, zwei Religionen mit ihren Lehren und Ritualen, der Verwandtschaftsnomenklatur sowie von alltäglichen Bräuchen. Die älteren Frauen und Männer haben eine wichtige Position in der Großfamilie als Ansprechpartner und Helfer für kleinere Arbeiten. Als zukünftige Ahninnen und Beschützerinnen aus der matrilinearen Linie im Jenseits werden die Frauen über den Tod hinaus verehrt und in Familienritualen angerufen.