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30.10.2020 : 2:02 : +0100

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Zur Bedeutung der Psychodynamik für die Sozialpolitik des Alter(n)s in Forschung und reflexiver Praxis

17. Jahrgang 2020, Heft 3, Sozialpolitischer Beitrag

Frank Schulz-Nieswandt:

Zur Bedeutung der Psychodynamik für die Sozialpolitik des Alter(n)s in Forschung und reflexiver Praxis (Abstract)

Die Sozialpolitikforschung handelt von sozialen Problemen und ihrer gesellschaftlichen Bewältigung im Lichte der personalen Würde und der Werte der Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und Teilhabe. Doch weder die Probleme selbst noch die Wege zu ihrer Bewältigung können ohne ein tiefenpsychologisches Verstehen des Individuums im Kontext der Kultur des sozialen Zusammenlebens angemessen begriffen werden.
   Auf der Grundlage der Verbindung sozialwissenschaftlichen und psychoanalytischen Denkens werden verschiedene Beispiele im Rekurs auf Affektmechanismen (u.a. die apotropäische Hygieneangst) angesprochen. Affekte der Angst und des Ekels als Strukturelemente des Habitus sind hierbei wirksam. Sie generieren animistisch inspirierte Praktiken sozialer Ausschließung. Das betrifft vor dem Hintergrund der Kritik an den Pflegeheimen als Wohnform im Alter z.B. soziale Innovationen wie die Idee der Sozialraumbildung. Dabei geht es um die Entwicklung inklusiver (also nicht sozial ausgrenzender) lokaler sorgender Gemeinschaften in der Kommune. Dies ist zu diskutieren z.B. im Fall von Menschen mit Demenz oder mit Behinderung. Ein anderes Beispiel sind die Probleme hospitalisierender klinischer Hygieneregulationen normalen Wohnens in Pflegeheimen.