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16.11.2018 : 13:27 : +0100

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Selbstbestimmtes Sterben nur eine Utopie?

11. Jahrgang 2014, Heft 1, Übersichten

Hans Wedler:

Selbstbestimmtes Sterben nur eine Utopie? (Abstract)

Die Debatte um eine moralische Akzeptanz von Suizidhandlungen entzündet sich oft an der Frage, wie autonom die Entscheidung, durch eigene Hand zu sterben, überhaupt sein kann. Das gilt auch für die derzeit in Deutschland anhaltende Diskussion um den assistierten Suizid bei schwer leidenden Kranken am Lebensende.
Als sinnvoll erweist sich eine deutliche Trennung zwischen Freiverantwortlichkeit einer Entscheidung und deren Selbstbestimmtheit. Nicht jede frei verantwortete Entscheidung ist zugleich auch selbstbestimmt – und umgekehrt. Da grundsätzliche, allgemeingültige ethische Vorbehalte wider den Suizid nur in stark religiös geprägten Gesellschaften Anspruch auf Gültigkeit haben, ist die in einigen Staaten erfolgte gesetzliche Regelung der ärztlichen Suizidassistenz rational gut nachvollziehbar.
Am aktuellen Beispiel der international herausragenden Bioethikerin Margaret Battin, die sich lebenslang für das menschliche Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben eingesetzt hat, wird allerdings deutlich, dass im konkreten Fall persönlicher Betroffenheit die Entscheidung zum selbstbestimmten Sterben sehr viel komplexer ist. Die Selbstbestimmtheit wird weniger durch gesellschaftliche, moralische und gesetzliche Vorgaben oder durch die Interessen Außenstehender eingeengt als durch den sozialen Bezug zu den Nächststehenden.