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20.11.2018 : 7:15 : +0100

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Schreckensbilder

15. Jahrgang 2018, Heft 3, Konzept- und fallbezogene Arbeiten

Anita Eckstaedt:

Schreckensbilder (Abstract)

Die Eltern einer früheren Patientin hatten als Kinder vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine dramatische Situation erlebt: Sie mussten zusehen, wie nach der Besetzung durch die russische Armee alle Männer ihres Dorfes der Reihe nach erschossen wurden, unter ihnen ihr Großvater. Atmosphärisch stand dieses Bild später im Zuhause der Patientin. Geprägt durch dieses Schreckensbild verliefen ihre Beziehungen zu Männern tragisch. Am Ende des zweiten Erstgesprächs konnte die in diesem Schreckensbild enthaltene Dramatik erste Klärung finden. Bei derartigen Kriegstraumatisierungen geht es nicht um singuläre Traumata, sondern wesentlich komplexer ebenso um die Folgen wie auch die transgenerativen Auswirkungen auf das gesamte spätere Umfeld. Daher kommt dem Phänomen eines Schreckensbildes diagnostischer Stellenwert für eine Traumatisierung zu.