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20.9.2017 : 5:38 : +0200

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Potenzial und Ambialenz persönlicher Alltagsdinge beim Übergang in institutionalisierte Wohnformen des Alter(n)s

14. Jahrgang 2017, Heft 2, Konzept- und fallbezogene Darstellungen

Anamaria Depner:

Potenzial und Ambivalenz persönlicher Alltagsdinge beim Übergang in institutionalisierte Wohnformen des Alter(n)s (Abstract)

Ein kulturwissenschaftlicher Beitrag

Basierend auf den Ansätzen der Material Culture Studies, welche die Dinge als physisch Anwesende, uns entgegengeworfene Entitäten betrachten, wird der Umzugsprozess Hochbetagter in Altenheime untersucht. Bei der Betrachtung des Umgangs mit den eigenen Dingen im Kontext dieses Überganges zeigen sich mehrere Aspekte: Unter veränderten Lebensumständen ihrer Besitzer können einst bedeutende Dinge oder Ding-Ensembles diesen (unbehaglich) bedeutungslos werden. Zugleich können Dinge gerade aufgrund ihrer hohen Bedeutung für ihre Besitzer weggeworfen oder gar zerstört werden. Die Möglichkeit, hinsichtlich der eigenen Dinge über die Weitergabe(form) oder das Ende ihrer Existenz zu entscheiden, ist relevant für die Senioren, überfordert diese aber zugleich. Die eigenhändige Entsorgung oder Zerstörung persönlicher, mitunter biografischer Objekte trägt selbstbestätigende und emanzipatorische Züge. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die hier skizzierte Untersuchung durch eine interdisziplinäre Betrachtungsweise für die Praxis fruchtbar zu machen, beispielsweise indem unerwartete Verhaltensweisen im Umgang mit den eigenen Dingen vom sozialen Umfeld verstanden und ernstgenommen werden.